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Energiedienstleister OVE Bad Rothenfelde

Zugegeben: Contracting wirft Fragen auf.
Wir geben die Antworten

1.Was ist Contracting?


Der Begriff »Contracting« stammt von dem englischen Wort »Contract« (= Vertrag) und bedeutet im ursprünglichen Sinn: Einen Vertrag abschließen. Im deutschsprachigen Raum hat sich dieser Begriff für eine spezielle Art von vertraglichen Vereinbarungen etabliert. Unter Contracting versteht man im Energiesektor Dienstleistungskonzepte zur Realisierung von Effizienzverbesserungen in Energieerzeugungsanlagen.

2.Worum geht es bei Contracting?


Ein Dritter, der Contractor, übernimmt die Aufgaben der Energieversorgung und/oder der Energieeinsparung für definierte Energieverbrauchsanlagen des Kunden.

3.Welche Medien der Energieversorgung können geliefert werden?


Die Contracting-Dienstleistungen können folgende Nutzenergiearten umfassen

  • Wärme (Heizwärme, Brauch- u. Warmwasser Prozesswärme, Dampf)
  • Kälte (Kaltwasser, Kühlwasser, Fernkälte)
  • Strom (z.B. aus Eigenerzeugung mit BHKW oder Photovoltaikanlagen), Licht, Kraft
  • Luft (Druckluft, Lüftung, Klima)


4.Wie funktioniert Contracting?


Der Contractor errichtet oder übernimmt neue Energie­erzeugungs­anlagen. Bei Übernahme bestehender Energie­verbrauchs­anlagen werden bei Bedarf Modernisierungs­arbeiten an den Anlagen vorgenommen.
Die OVE übernimmt die mit der Energie­versorgung anfallenden Aufgaben wie Konzeption, Planung, Finanzierung, Bauausführung, Primärenergiebezug, Betriebsführung, Instandhaltung (Bedienung, Wartung, Inspektion, Instandsetzung, Stördienst) sowie die Abrechnung mit dem Kunden.
Da der Contractor auch die Finanzierung übernimmt, benötigt der Kunde kein eigenes Kapital, um seine Energie­erzeugungs­anlagen zu errichten, zu modernisieren oder zu sanieren bzw. die Energie­kosten­reduzierungen zu realisieren.

5.Welche Varianten des Contracting gibt es?


Man unterscheidet zwischen

a) Energieliefer-Contracting
b) Energieeinspar–Contracting
c) Finanzierungs-Contracting
d) Technisches Anlagenmanagement (betriebsführung)

Die Definitionen dieser Begriffe sind vom den Fachverbänden in Abstimmung mit anderen interessierten Kreisen erarbeitet worden und liegen der Normierung nach DIN zugrunde.



6.Welche Vorteile bietet das Contracting für den Immobilieneigentümer?


  • Er kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und wird von allen Aufgaben der Energie­versorgung entlastet.
  • Er hat einen verantwortlichen und fachkundigen Ansprechpartner für die Energieversorgung.
  • Der Contractor realisiert optimale technisch-wirtschaftliche Konzepte.
  • Der Contractor stellt durch Modernisierung / Sanierung und durch fachkundige laufende Betreuung einen niedrigstmöglichen Energieeinsatz sicher.
  • Der Contractor gewähr­leistet eine hohe Anlagen­verfüg­barkeit.
  • Der Contractor stellt eine qualitativ und zeitlich hohe Personalverfügbarkeit sicher.
  • Der Contractor garantiert fach­kompetente Betreuung vom Planen bis zum Betreiben.
  • Der Contractor ermöglicht dem Kunden den Energiebezug ohne eigene Investitionen.
  • Der Contractor schafft dem Kunden Kosten­sicherheit durch feststehende, transparente Energie­preise.
  • Der Contractor realisiert die Kosten­optimierung durch Ausschöpfung von Rationalisierungs­potenzialen.
  • Contracting führt zu umweltgerechter weil professioneller Energie­verwendung.


7.Was kann ein Contractor besser als jemand, der seine energietechnischen Anlagen selbst betreibt?


Der Contractor entwirft sein technisches Konzept unter dem Gesichts­punkt optimaler Kosten über die gesamte Laufzeit des Vertrags. Um die Energie­erzeugungs­anlagen optimal zu führen, installiert er auf eigene Kosten ein Fernüber­wachungs­system. Er verfügt über die Finanz­mittel, um in neue Energie­technik zu investieren. Er hat die notwendige Einkaufs­macht, um mit dem örtlichen Energie­lieferanten günstige Bezugs­konditionen zu verhandeln. Professionelles Personal gewährleistet optimale Energie­umwandlungs­prozesse und beste Reaktions­zeiten im Störungsfall. Die Contracting - Kosten sind als Kosten der gewerblichen Wärmelieferung im Sinne der Heiz­kosten­verordnung nach gesetzlicher Maßgabe und Mietvertragslage umlagefähig.

8.Welchen Vorteil hat Contracting speziell aus finanzieller Sicht?


  • Der Immobilien­eigentümer muss kein eigenes Kapital aufwenden, um die Energie­erzeugungs­anlage zu errichten, zu modernisieren oder zu sanieren (Erhalt der Liquidität trotz zwingender Sanierungs-, Ersatz- und Erweiterungs­investitionen). Die Finanzierung muss aber nicht zwingend zu 100 % durch den Contractor erfolgen, der Kunde kann auch einen Teil der Investitionskosten als Bau­kosten­zuschuss übernehmen (Energie­kosten­steuerung).
  • Die Kreditlinie des Immobilien­eigentümers bleibt unbeansprucht.
  • Die Energieanlagen gehen beim Contracting nicht – wie bei Eigen­finanzierung üblich - in die Bilanz (Aktiva) des Immobilien­eigentümers ein (off-balance-sheet). Dies kann vorteilhaft bei der Unternehmens­bewertung und Bilanzierung sein.
  • Die Energie­kosten werden durch das Outsourcing transparenter und ermöglichen durch die vertragliche Festlegung der Contracting­raten (Arbeits- und Grundpreise) Planungs­sicherheit über die Vertrags­laufzeit.

Weiterhin im Wohnungsbau:

  • Normalerweise können die Kosten für Investition und Instandsetzung vom Vermieter nicht über die Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden, sondern sind Bestandteil des Mietpreises.
    Bei Lieferung der Energie durch einen Contractor an den Vermieter, sind die Investitions- und Instand­setzungs­kosten im abzurechnenden Wärme­preis enthalten.
    Vorteil für den Vermieter: Die Kaltmiete wird um diesen Anteil entlastet. Gewünschte Korrekturen sind über Baukostenzuschüsse möglich.
    Ausnahme: preisgebundener Wohnungs­bau. Dort muss der Investitions- und Instand­setzungs­anteil nach gesetz­licher Maßgabe gegen die Kalt­miete gerechnet werden.


9.Wie ist der Übergang auf Energieliefer-Contracting für die Nutzer kostenneutral zu gestalten?


Mittel zur Erreichung einer Kostenneutralität sind:

  • der Einsatz neuer energie­sparender Technik,
  • die Optimierung der Regeltechnik und der personellen Anlagenbetreuung,
  • günstiger Brennstoffeinkauf durch das Contracting-Unternehmen,
  • Einsatz öffentlicher Fördermittel oder Baukostenzuschüsse,
  • ggf. ein Spitzenausgleich über Kaltmietenreduzierung.


10.Was ist bei einer Umstellung vom Eigen­betrieb auf die gewerbliche Wärme­lieferung in der Wohnungs­wirtschaft zu beachten?


Am 1. Juli 2013 ist der § 556c des Bürger­lichen Gesetz­buches und die zugehörige Wärme­liefer­verordnung  in Kraft getreten. Damit gibt es erstmals eine einheitliche Regelung zum Über­gang auf die gewerbliche Wärme­lieferung in Bestands­mietverhältnissen. Zu beachten ist, dass die zukünftigen Kosten der Wärme­lieferung nicht die Betriebs­kosten für die bisherige Eigen­versorgung mit Wärme oder Warmwasser übersteigen (Kosten­neutralität), vgl. § 556c Abs. 1 Nr. 2. BGB.



11.Was ist zu beachten bei Wohnungseigentümergemeinschaften?


Bei Neubauten haben Bauträger­gesell­schaften die Art der Energie­versorgung in den Teilungs­erklärungen und Kaufverträgen zu benennen. Bestehende Eigen­tümer­gemein­schaften führen durch den bestellten Haus­verwalter einen Beschluss zur Umstellung von der Eigen­betreibung auf das Energieliefer-Contracting herbei.


12.Welche Risiken geht der Kunde ein?


Keine! Sämtliche mit der Energieversorgung verbundenen Risiken sind ihm vom Contractor abgenommen.


13.Welche Vorinstallationen sind bei einer Contractinganlage nötig?


Es sind keine besonderen Vorinstallationen erforderlich. Die vorhandenen Anbindungsmöglichkeiten an die anliegende Primärenergie (z.B. Erdgas) werden berücksichtigt.


14.Wie lange binden sich Kunde und Contractor?


Die Vertrags­laufzeiten liegen regelmäßig zwischen 10, 15 und maximal 20 Jahren (beim Energieliefer-Contracting). Diese Vertrags­laufzeiten haben den Vorteil, dass sich die aus der Installation moderner Anlagen­technik resultierenden Investitions­kosten über diese Zeiträume amortisieren lassen, was niedrigen Wärmekosten zugute kommt. Während der Vertrags­laufzeit muss der Wärme­abnehmer keinerlei Risiko­vorsorge für die Anlagen­instandsetzung und die mögliche Komplett­erneuerung betreiben. Kosten­budgets werden hierdurch lang­fristig planbar.

15.Was geschieht zum Ende eines Contractingvertrages?


Eine Erneuerung des Vertragsverhältnisses ist möglich und findet in der Praxis auch regelmäßig statt.

16.Was geschieht im Falle der Insolvenz des Contractors?


Bei den in den Fachverbänden organisierten Contractoren ist angesichts ihrer Finanzkraft nicht davon auszugehen. Sollte dennoch ein Contractor ins „straucheln“ geraten, übergibt der Kunde die Versorgung einem anderen Contractor. Eine Unterbrechung der Versorgung ist daher nicht zu befürchten.

17.Was hat die Umwelt von Energie-Contracting?


Contracting-Unternehmen setzen aus Eigeninteresse auf brennstoffsparende Technologien und professionellen sparsamen Anlagenbetrieb. Davon profitieren gleichermaßen die Contracting-Kunden wie die Umwelt – über die Schonung der natürlichen Ressourcen und die Vermeidung unnötigen Ausstoßes von Schadstoffen und CO2.